Da gab es verschiedene gut gemeinte Rezepturen und wohl auch Diagnosen, aber was immer man versuchte, es blieb ohne Erfolg. Das schlechte Befinden des Mannes war ein Rätsel für seine Frau, und auch für die teilnehmende Nachbarschaft.
Aber der Mensch gewöhnt sich an alles, und so tat Anna mit der Zeit mehr als ihren Teil der Arbeit und versuchte, das Auskommen zu sichern. Wenn sie um Holz im Wald unterwegs war, sammelte Anna dabei die Kräuter, die ihrem Mann wohltaten, wenn sie auch nicht heilen konnten. Aber für Linderung war sie schon dankbar.
An eine Heilung glaubte sie schon lange nicht mehr und fügte sich in den Willen Gottes. Denn dafür hielt sie ihr Ungemach und beklagte sich nicht. Es wurde ein gewohntes Bild für die Freienwalder, die Anna Liebenwaldt, die mit ihrer Holzlast und einem Kräuterbündel aus dem Wald kam des Abends. Der eine oder andere gutmütige Nachbar hatte wohl eine Zeit geholfen bei mancher schwereren Arbeit, aber mit der Zeit wandte man sich wieder den eigenen Angelegenheiten zu. Man wird der Not der anderen überdrüssig und verhärtet das Herz.
So ging es lange Zeit - Annas Mann wurde kränker und hinfälliger, und Anna müder. Und sie ging gebeugter unter den Wäschewannen und Holzbündeln. Um diese Zeit herum fingen die Weiber an zu reden, über die Angelegenheiten der Liebenwaldts. Dass es nicht mit rechten Dingen zugehen könne mit dem Mann. Er habe wohl Schuld auf sich geladen und büße seine Sünden ab, denn Gott strafe unfehlbar - so meinten wohl einige und nickten beifällig mit dem Kopf. Andere blickten scheel nach der müden Gestalt und machten Andeutungen über Kräuterkunst und sonderbare Dinge im Wald. Die Ehrlichen hörten weg bei solchem Gerede, die Gelangweilten und Hartherzigen gaben noch eins dazu.