... verbrachte sie viele Stunden, um sich zu schmücken - und einmal hatte sich Schneewittchen hineingeschlichen, um die schönen Dinge dort zu betrachten.

Ihr Händchen strich über seidene Stoffe und glatte Perlen, betastete die goldene Bürste und die vielen Kämme, und drehte sich ein wenig vor dem hohen Spiegel hin und her, als sie jemanden kommen hörte.

Rasch kauerte sie sich hinter dem Lehnstuhl zusammen und verhielt den Atem, gerade noch rechtzeitig, bevor die Königin den Raum betrat.

Diese warf ihren Fächer auf den Frisiertisch und wandte sich sogleich dem Spiegel zu. Dann berührte sie die Oberfläche und murmelte leise und unverständliche Worte.

Dann plötzlich hob die Königin ihre Stimme und sagte laut: `Zeig mir, Auge, die schönste Frau im Lande!` Und da wurde das Spiegelglas milchig und trübe und wirbelig, dann ganz dunkel. Die Frau trat einen Schritt zurück und starrte erwartungsvoll in den sonderbaren Spiegel. Und dann sah man ihr Abbild, aber nicht so, wie sie vor dem Glas stand, sondern in vollem Krönungsornat, und mit ihren Juwelen geschmückt. Da lachte die Königin laut auf und begab sich in das Schlafzimmer.

Die kleine Lauscherin nutzte dies, um ungesehen zu flüchten. Nie hatte sie jemandem von dem, was sie gesehen hatte, erzählt - aber sie begann acht zu haben. Immer wenn die Stiefmutter aus ihren Räumen kam, war sie bester Stimmung und wohl strich sie im Vorbeigehen dem Kind lässig über den Kopf.