... nahm seine Aufgabe sehr ernst, reiste am Fluss auf- und abwärts und befragte die Menschen. Das war nicht eben eine einfache Sache, ...

... denn auch die größten Schreier hielten sich zurück und wollten nichts gesehen und gehört haben und hoben verdrossen ihre Schultern. Nun gibt es aber ein hervorragendes Werkzeug, um verstockte Zungen in Gang zu bringen - ein kleines rundes aus Silber oder Gold - und der junge Graf wusste dieses recht wohl anzuwenden.

Auf diese Weise erfuhr er von den Geschichten um die schöne Sängerin und war begierig, diese mit eigenen Augen zu sehen. Nach einigen Verhandlungen wechselte ein kleiner Beutel den Besitzer und ein Wort wurde gegeben: `Um Mitternacht, Herr.` Und so bestieg der junge Graf in der Vollmondnacht einen Fischerkahn, der am Ufer auf ihn gewartet hatte.

Die Nacht war warm und das Mondlicht verwandelte die Flusslandschaft in einen Märchengarten. Der Steuermann hielt langsam und vorsichtig auf den Felsen zu, bedächtig das Ruder gebrauchend. Der Grafensohn stand in gespannter Erwartung am Bug, mit allen Sinnen lauschend. Die Nacht war voller Töne, der Fluss sang ein eigenes Lied, in das sich plötzlich leise eine zweite Stimme fügte und dann an Stärke gewann.

Das war, als kose jemand, der ihn von Anbeginn der Welt gekannt hatte, seine Seele. Als rufe ihn sein eigenes Herz heim zu allem, was ihm Heimat war. Seine Augen hoben sich zum Gipfel des Felsens und sahen dort einen Schein wie von Gold, Kaskaden von Haar und silbern leuchtende Glieder im Mondlicht.

Da war das Lied Gestalt geworden und sein ganzer Sinn war darauf gerichtet, dahin zu kommen und zu bleiben. Hinter ihm der Fischer stand starr und das Ruder glitt aus seinen Händen, der Kahn geriet ins Trudeln und wurde angezogen - keiner achtete darauf, und der Mond glitt hinter die Wolken. Ein lautes Krachen zerriss die Nacht, dann war Stille.

Als man dem Pfalzgrafen die Nachricht überbrachte, zeigte sich auf dessem aschfahlen Gesicht keine Regung. Mit einem Tross von zwanzig Soldaten zog er hinunter und legte seinem toten Sohn, den man geborgen hatte, die Hand auf die Brust. Dort verharrte der Alte die Stunden, bis es dunkel wurde, dann brüllte er Befehle und um Mitternacht bewegte sich ein Fackelzug auf den Felsen hinauf. Der Graf und seine Männer, gefolgt von vielen Fischern und ihren Familien.

Auf dem Gipfel machten sie einen Schein aus und hielten darauf zu, der Graf vorneweg, den Säbel umklammert. Und da war es wie versilbert auf dem Fels, und eine Gestalt war da, die sah auf den Rhein hinab und kämmte sich.